Wie hoch ist die Scheidungsrate in Deutschland? Aktuell wird etwa jede dritte Ehe gerichtlich aufgelöst, das sind rund 35 Prozent gemessen an den Eheschließungen desselben Jahres. 2023 zählte das Statistische Bundesamt 129.008 Ehescheidungen, der niedrigste Wert seit über 30 Jahren.
Über Trennung redet auf einer Hochzeit niemand. Trotzdem lohnt der Blick in die Statistik, denn die Zahlen zur Scheidungsrate haben sich in den letzten zwanzig Jahren deutlich verändert. Ehen werden später geschlossen, sie halten im Schnitt etwas länger, und der absolute Höchststand von rund 214.000 Scheidungen aus dem Jahr 2003 ist heute weit unterschritten.
Diese Seite sammelt die wichtigsten Statistiken zur Scheidungsrate in Deutschland: wie oft geschieden wird, wie lange Ehen im Schnitt halten, wer den Schritt häufiger geht und welche Trends sich seit den 1990ern abzeichnen. Alle Zahlen sind mit Quellen verlinkt.
1. 2023 wurden in Deutschland 129.008 Ehen geschieden
2023 trennten 129.008 Paare sich vor einem deutschen Familiengericht. Das ist der niedrigste Stand seit über 30 Jahren. Gegenüber 2022 ist die Zahl um rund 6 Prozent gesunken, der Rückgang setzt einen Trend fort, der seit dem Höchststand 2003 anhält.1
2. Mehr als jede zweite Scheidung wird von der Frau eingereicht
Frauen reichen den Scheidungsantrag häufiger ein als Männer. Ihr Anteil liegt seit Jahren stabil bei rund 51 bis 53 Prozent aller Anträge. Der Unterschied ist klein, aber konsistent über alle Altersgruppen hinweg.2
3. Im selben Jahr wurden 361.080 Ehen geschlossen
Den 129.008 Scheidungen stehen 361.080 Eheschließungen im Jahr 2023 gegenüber. Im gleichen Kalenderjahr betrachtet entspricht das einem Verhältnis von rund 35 Prozent. Diese Zahl ist nicht die individuelle Scheidungswahrscheinlichkeit, weil die geschiedenen Ehen meist viele Jahre alt sind. Sie zeigt aber, wie nah Eheschließungen und Scheidungen im aktuellen Querschnitt beieinander liegen.3
4. Eine einvernehmliche Scheidung kostet 1.500 bis 3.000 Euro
Die Gesamtkosten einer Scheidung setzen sich aus Anwalts- und Gerichtsgebühren zusammen und richten sich nach dem gemeinsamen Nettoeinkommen. Bei einer einvernehmlichen Scheidung mit kurzer Verhandlungsdauer liegen die Gesamtkosten typischerweise zwischen 1.500 und 3.000 Euro. Streitige Verfahren mit Folgesachen wie Zugewinn, Unterhalt und Sorgerecht können auf 5.000 Euro und mehr steigen.4
5. Bei Scheidung sind die Ehen im Schnitt 14,8 Jahre alt
Die durchschnittliche Ehedauer zum Zeitpunkt der Scheidung liegt aktuell bei rund 14,8 Jahren. Über die letzten zwei Jahrzehnte ist dieser Wert kontinuierlich gestiegen. Paare bleiben heute also länger zusammen, bevor sie sich trennen, auch wenn die Ehe am Ende endet.5
6. Im Osten und in Stadtstaaten wird häufiger geschieden als in Bayern
Innerhalb Deutschlands sind die regionalen Unterschiede deutlich. Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin sowie ostdeutsche Bundesländer verzeichnen seit Jahren überdurchschnittliche Scheidungsraten. Bayern und Baden-Württemberg liegen am unteren Ende. Erklärungsansätze sind Altersstruktur, Konfessionszugehörigkeit, Erwerbsquote der Frauen und städtischer Lebensstil.6
7. Der Höchststand lag 2003 bei rund 214.000 Scheidungen
2003 wurden in Deutschland 213.975 Ehen geschieden, der höchste Wert in der bundesdeutschen Statistik. Seitdem ist die Zahl mit kleinen Schwankungen kontinuierlich gesunken. Heute liegt sie rund 40 Prozent unter diesem Höchststand. Ein Grund sind sinkende Eheschließungszahlen, ein anderer das gestiegene Heiratsalter.7
8. Die Scheidungsrate liegt bei rund 1,5 pro 1.000 Einwohner
Die sogenannte Rohscheidungsrate gibt die Zahl der Scheidungen pro 1.000 Einwohner und Jahr an. In Deutschland liegt dieser Wert aktuell bei rund 1,5. Im internationalen Vergleich ist das ein mittlerer Wert, deutlich unter den USA (rund 2,5) und über südeuropäischen Ländern wie Italien (rund 1,4) oder Spanien (rund 1,9).8
9. Über 120.000 minderjährige Kinder pro Jahr sind betroffen
Etwa die Hälfte aller geschiedenen Ehen hat minderjährige Kinder. In absoluten Zahlen erleben jedes Jahr rund 120.000 Kinder unter 18 die Scheidung ihrer Eltern. Das prägt die familienrechtliche Praxis stark, weil Sorge- und Umgangsregelungen in vielen Verfahren den größten Streitpunkt bilden.9
10. Ein Scheidungsverfahren dauert im Schnitt 10 bis 12 Monate
Vom Einreichen des Antrags bis zur rechtskräftigen Scheidung vergehen typischerweise 10 bis 12 Monate. Einvernehmliche Scheidungen ohne Streit über Folgen können in 6 bis 8 Monaten abgeschlossen sein. Streitige Verfahren mit mehreren Folgesachen ziehen sich nicht selten über zwei Jahre.10
11. Geschiedene Männer sind im Schnitt 47 Jahre alt, Frauen 44
Das durchschnittliche Alter zum Zeitpunkt der Scheidung steigt seit Jahren leicht. Männer sind bei der Auflösung der ersten Ehe im Schnitt 47 Jahre alt, Frauen 44. Hauptgrund ist das gestiegene Heiratsalter, die Ehen werden später geschlossen und entsprechend später beendet.11
12. Scheidungsalter in Deutschland
Das durchschnittliche Scheidungsalter in Deutschland lag 2023 bei rund 47,3 Jahren bei Männern und 44,4 Jahren bei Frauen. Damit ist das Alter beim Beziehungsende seit der Jahrtausendwende um fast sieben Jahre gestiegen, vor allem weil viele Paare später heiraten und Trennungen später vollziehen.12
13. Wiederheirat nach Scheidung
Etwa jede vierte Eheschließung in Deutschland ist eine Folgeehe für mindestens einen Partner, bei Männern liegt die Wiederheiratsquote nach Scheidung bei rund 35 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Frauen heiraten mit etwa 27 Prozent etwas seltener erneut.13
14. Kinder von geschiedenen Eltern
Rund 121.800 minderjährige Kinder waren 2023 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, das entspricht knapp 49 Prozent aller geschiedenen Ehen. Im Schnitt sind diese Kinder beim Bruch der Eltern 9,5 Jahre alt.14
15. Die Hälfte aller Scheidungen erfolgt vor dem siebten Ehejahr
Die ersten Ehejahre sind statistisch am riskantesten. Rund die Hälfte aller geschiedenen Ehen hält weniger als sieben Jahre. Das berühmte verflixte siebte Jahr hat einen statistischen Kern. Wer die zehnte Hochzeitssaison überschreitet, erlebt deutlich seltener noch eine Scheidung.15
16. Scheidungen gleichgeschlechtlicher Paare
Seit Einführung der Ehe für alle 2017 wurden bis 2023 in Deutschland rund 2.100 gleichgeschlechtliche Ehen wieder geschieden. Die Aufhebungsquote liegt damit aktuell unter dem Niveau heterosexueller Ehen, was auch am noch jungen Bestand der Ehen liegt.16
17. Rund 6,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind geschieden
Laut Mikrozensus sind aktuell etwa 6,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland geschieden und nicht wieder verheiratet. Hinzu kommen Personen, die nach einer Scheidung erneut eine Ehe geschlossen haben und in der Statistik als verheiratet geführt werden. Der Anteil ist über die letzten Jahre stabil.17
18. EU-Vergleich der Scheidungsraten
Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit 1,7 Scheidungen je 1.000 Einwohner laut Eurostat 2023 leicht über dem EU-Schnitt von 1,6. Spitzenreiter ist Lettland mit 2,4, am niedrigsten ist die Quote in Irland mit 0,7.18
19. Bundesländer im Vergleich
Die höchste Scheidungsrate weist Berlin mit rund 39 Prozent gescheiterten Ehen auf, während Baden-Württemberg mit 31 Prozent am stabilsten ist. In Bayern liegt der Wert mit etwa 33 Prozent ebenfalls deutlich unter dem Bundesschnitt von 35,7 Prozent.19
20. Vor jeder Scheidung steht ein Trennungsjahr
Eine Ehe lässt sich in Deutschland nicht spontan auflösen. § 1565 BGB schreibt vor, dass Eheleute mindestens ein Jahr getrennt leben müssen, bevor das Familiengericht eine Scheidung ausspricht. In strittigen Fällen verlängert sich die Frist auf bis zu drei Jahre. Nur in seltenen Härtefällen ist eine vorzeitige Scheidung möglich.20
21. Häufigste Scheidungsgründe nach Allensbach
Laut einer Allensbach-Erhebung zur Ehequalität nennen rund 47 Prozent der Geschiedenen sich auseinanderlebende Persönlichkeiten als Hauptgrund, gefolgt von Untreue mit 22 Prozent und finanziellen Konflikten mit 16 Prozent. Beruflicher Stress liegt mit etwa 9 Prozent ebenfalls weit vorn.21
22. Langzeitehen werden seltener geschieden
Nur rund 13 Prozent der Scheidungen 2023 betrafen Ehen mit mehr als 26 Ehejahren, in absoluten Zahlen waren das etwa 16.200 Verfahren. Späte Scheidungen nehmen aber seit 2000 deutlich zu, damals lag der Anteil noch bei knapp 8 Prozent.
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23. Wer einmal geschieden war, geht ein zweites Mal mit höherem Risiko in die Ehe
Wiederverheiratungen sind nach Scheidungen häufig, aber ihr Erfolgsrisiko ist höher. Wer schon einmal geschieden war und erneut heiratet, hat statistisch ein erhöhtes Risiko einer zweiten Trennung. Die genaue Quote schwankt je nach Erhebung, sie liegt aber deutlich über der Scheidungsquote von Erstehen.23
24. Der oft zitierte 7-Jahres-Knick
Die meisten Ehen in Deutschland werden nach 6 bis 7 Ehejahren geschieden, im Schnitt nach 14,8 Jahren Ehedauer. Der häufig zitierte 7-Jahres-Knick bestätigt sich also im Scheidungsantrag, nicht im finalen Urteil, das oft Jahre später folgt.24
25. Was eine Scheidung in Deutschland kostet
Die durchschnittlichen Scheidungskosten liegen laut Stiftung Warentest bei rund 2.500 Euro pro Ehepartner bei einvernehmlicher Trennung. Streitige Verfahren mit Versorgungsausgleich, Unterhalt und Zugewinn können hingegen über 8.000 Euro pro Person erreichen.25
Fazit
Die Scheidungsrate in Deutschland ist seit dem Höchststand 2003 deutlich gesunken. 2023 lag sie bei 129.008 Ehen, das entspricht rund 35 Prozent gemessen an den Eheschließungen desselben Jahres. Im Schnitt halten Ehen knapp 15 Jahre vor der Trennung, mehr als jede zweite Scheidung wird von der Frau eingereicht, und die Hälfte aller Scheidungen betrifft Ehen mit minderjährigen Kindern.
Hinter jeder dieser Zahlen steht eine reale Geschichte mit Verlust und Veränderung. Statistik macht das nicht weniger schwer. Sie hilft aber dabei, eigene Erwartungen realistisch einzuordnen und Gespräche über schwierige Themen wie Geld, gemeinsame Verantwortung und Lebensplanung früh genug zu führen.
Quellen
- Destatis(destatis.de)
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung(bund.de)
- Destatis(destatis.de)
- Anwalt.de(anwalt.de)
- Destatis(destatis.de)
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung(bund.de)
- Destatis(destatis.de)
- Statista(statista.com)
- Destatis(destatis.de)
- Anwalt.de(anwalt.de)
- Destatis(destatis.de)
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung(bib.bund.de)
- Familienreport BMFSFJ(bmfsfj.de)
- Bundesministerium der Justiz(bmj.de)
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung(bund.de)
- Bundesamt für Justiz(bundesjustizamt.de)
- Destatis(destatis.de)
- Eurostat(ec.europa.eu)
- Frankfurter Allgemeine Zeitung(faz.net)
- Bundesministerium der Justiz(gesetze-im-internet.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach(ifd-allensbach.de)
- Der Spiegel(spiegel.de)
- Statista(statista.com)
- Süddeutsche Zeitung(sueddeutsche.de)
- Stiftung Warentest(test.de)